Ein „Chefkoch“ bei Senioren

Zum Seniorennachmittag am 14.Mai war Horst Eisermann mit seiner Frau aus Rodewisch unser Gast. Beide sind Mitglied der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Sie haben 6 Kinder und 10,5 (!) Enkel. Horst Eisermann war bis zur Rente Koch, z.B. auch im ehem. „Falkensteiner Hof“. Zu Hause kocht aber gern auch mal seine liebe Frau. Im Mittelpunkt dieses Nachmittages stand ein Rezeptplan für leichte und schnell  zubereitende Gerichte. Das reichte von Erbseneintopf über Steak bis hin zu Kartoffelpuffer. Den Abschluss bildete das Rezept für ein gesundheitsförderndes Getränk mit Knoblauch (!) und Zitrone.

Es war ein berührender Moment, als Horst Eisermann sich zunächst persönlich vorstellte:

Er ist 1945 in Perleberg geboren. Seine Mutter übergab ihn in großer, seelischer Not, an seinem 8. Lebenstag einem Kinderheim. Das war ein Diakonissenhaus von Eva von Tiele- Winkler (1833–1930).

„Mutter Eva“ stammte aus einer wohlhabenden Adelsfamilie in Oberschlesien. Gegen den Willen ihres Vaters begann sie in den „Bodelschwinghschen Anstalten“ eine Ausbildung in der Krankenpflege. Sie gründete die „Friedenshorter Schwesterngemeinschaft“ nach dem Vorbild der „Jüngerinnen Jesu“, in der Bibel in Lukas 8, ab Vers 1. Das wird in den nächsten Wochen auch einmal Thema unserer Bibelstunde werden. Ein Schwerpunkt war die Gründung von „Kinderheimaten“, um hilfsbedürftigen Kindern, mit ihren „kleinen wunden Seelen“, eine Heimat zu geben. Sie hat für den Namen ihrer Einrichtungen nicht „Familie“ sondern „Heimat“ bevorzugt. Diese Diakonissengemeinschaft, die bald aus über 1000 Frauen bestand, musste 1945 aus Oberschlesien fliehen. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR fand ein Teil der Diakonissen in Heiligengrabe/Havelberg ein neues zu Hause. Die sozial- diakonische Arbeit dieser Schwestern wird heute zu wenig gewürdigt. So war auch für die nach 1945 von Hermann Gmeiner gegründeten „SOS-Kinderdörfer“, Eva von Tiele Winkler eine Vorkämpferin.

Hier ist  ab 1945 Horst Eisermann aufgewachsen. Er hatte immer Hunger. So dachte man, er soll Bäcker lernen. Weil das, mit dem „früh Aufstehen“ ihm nicht so gelang, lernte er Gestütwärter. Weil man davon nicht satt wird, begann er die Ausbildung als Koch. Nun hatte er nie mehr Hunger!

Als Rentner bereitete er auf der Schlossinsel mehrere Jahre regelmäßig für vorwiegend sozial benachteiligte Bürger eine warme Mahlzeit. Das hat er mit seiner Frau über längere Zeit auch selbst finanziert. Ein Pfarrer aus Rodewisch wurde darauf aufmerksam und unterstützte diese Initiative finanziell. Heute hat das der „Brotkorb Rodewisch“ übernommen.

„Geben macht reich, Festhalten arm.“

(„Mutter Eva“, Quelle:  Aphorismen de)

 

Und was sagt dazu Jesus, unser Herr?

„…wenn jemand ein solches Kind aufnehmen wird in meinen Namen, nimmt er mich auf.“

(Bild & Text © Johannes Pucklitzsch)