Weiße Fahne

Erinnerung an dramatische Stunden mit weißer Fahne!

Am 6. Mai 1945 rollten in den Nachmittagsstunden       amerikanische Panzer aus Richtung Hammerbrücke nach Tannenbergsthal. Dort hatte der Bürgermeister den Widerstand durch den Volkssturm und der Hitlerjugend, die mit Panzerfäusten bewaffnet zum Einsatz bereitstanden, verhindert und auch bereits errichtete Panzersperren abbauen lassen. Als motorradsportbegeisterter Bürgermeister trug er auf seinen Briefbögen den militärischen Dienstgrad: “Sturmbannführer der 7. SS-Standarte“. Er übergab das Dorf mit weißer Fahne dem Kommandanten der einmarschierenden Truppen und verhinderte damit weitere sinnlose Kriegsopfer in unserem Ort. Die weiße Fahne hochhaltend wurde er stehend in einem offenen Jeep durch die ganze Gemeinde gefahren. Als Unterpfand für eine kampflose Übergabe seines Dorfes stand er dann an der Straßenkreuzung Klingenthal / Auerbach / Aue, hinter ihm zwei Gls mit schussbereiten MPs. Im Dorf blieb es ruhig und zu später Stunde durfte er zu seiner Familie nach Hause…

(Auszug nach: „Raum ist in der kleinsten Hütte“. Erinnerung von Herrn Otto Höchst – ISBN: 987-3-942267-47-5)

 

Über die Deutung der weißen Fahne:

Bereits in der Antike ist sie bei der chinesischen Han- Dynastie, den Legionen im römischen Reich und dann bis ins Mittelalter als Gewohnheitsrecht und Zeichen der Kapitulation bekannt. Das „Weiß“ bildet dabei den neutralen Gegensatz zu bunten, kunstvoll gestalteten, staatlichen Hoheitszeichen. Wegen mangelnder Siegeszuversicht, galt die weiße Flagge im deutschen Militär als Wehrkraftzersetzung. Im Artikel 32 der Haager Landkriegsordnung war sie ab 1899 eine Verzichtserklärung auf Gegenwehr. So steht diese Symbolik auch für biblische Werte, wie z.B.: “Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen; segnet die, die euch verfluchen, und betet für alle, die euch schlecht behandeln.“  (die Bibel u.a. in Lk.6,28) Das schließt eine deutliche Stellungnahme gegenüber Kriegs -Verbrecher, -Planer und

-Verdiener nicht aus! (aktuelle, biblische Kurznachricht für 2019: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Psalm 34,15)

 

Über die weiße Fahne mit dem Kreuz:

Die Geschichte der weißen Flagge mit rotem Kreuz begann 1859. Der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant wurde Zeuge der grausamen Schlacht von Solverino. Zusammen mit einem Armeegeneral organisierte er die  Verwundetenpflege. In Anlehnung an den Schweizer Neutralitäts-Gedanken benutzte man die Umkehrung zur Schweizer Flagge (weißes Kreuz auf roter Fahne) -eine weiße Fahne mit rotem Kreuz als Schutzzeichen für medizinisches Personal. Das Kreuz (griechisches Kreuz) steht dabei für das Kreuz, an dem Jesus Christus schuldlos mit bedingungsloser Menschenliebe, für die Sünde der Menschen starb.  „Rot“ steht für das Blut offener, schmerzvoller Wunden und „Weiß“ für  Neutralität und Reinheit. Um einer solchen „christlichen Deutung“  entgegenzuwirken, gründeten islamische Länder den „roten Halbmond“ (1868) und Israel den jüdische Rettungsdienst „roter Davidstern“ (1949) und international „ZAKA“ (1989) oder religiös neutral den „roten Kristall“ (2005).

(Bild & Text © Johannes Pucklitzsch)